Wie gestalten wir ein gerechtes, klimaneutrales, sicheres und nachhaltiges Nordrhein-Westfalen? Diese Frage stand im Zentrum des Zukunftskongresses der Grünen Landtagsfraktion am vergangenen Freitag, 27.6.2026, im Landtag NRW. In verschiedenen Diskussionsforen und Talkrunden haben mehr als 300 Menschen diskutiert und sind spannenden Impulsen im Plenarsaal des Landtags gefolgt. Zu den Gästen zählten unter anderem der Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke sowie die Grüne stellvertretende Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin Mona Neubaur.
In unserem Zukunftslabor ging es um das Projekt „Mehrwegsysteme im To-Go-Bereich.“ Die bestehende Mehrweg-Angebotspflicht wird bisher nur lückenhaft umgesetzt. Viele Betriebe geben maximal auf Nachfrage Mehrwegalternativen heraus. An vielen Stellen hat man jedoch den Eindruck, dass selbst das nicht der Fall ist – zumindest habe ich noch keine Pommes in der Mehrwegschale gesehen. Aber auch wenn Mehrwegangebote vorhanden sind, stellen sich den Verbrauchern ganz praktische Probleme: Unterschiedliche Mehrweganbieter verlangen nach unterschiedlichen Rückgabeorten. Meinen Kaffeebecher vom lokalen Anbieter aus dem Café um die Ecke kann ich auch nur dort wieder zurückbringen. Ich muss die Rückgabe planen, einen Umweg machen und auf die Öffnungszeiten achten.
Eine Lösung könnte sein, ein großflächiges Netz an Rückgabestellen zu errichten, um die Rückgabe unkompliziert zu ermöglichen. Aber wie beurteilen Experten die Situation? Welche Voraussetzungen benötigen Mehrweganbieter, um ein möglichst großes Netz von Ausgabe- und Rückgabestellen aufbauen zu können? Wie gelingt die Zusammenarbeit mit der Gastronomie? Das haben wir in unserem Zukunftslabor mit Alexa Böckel vom Wuppertalinstitut, Mathias Gerspacher vom Mehrwegverband Deutschland und Thorsten Hellwig von der DEHOGA NRW diskutiert.
Einige Kernsätze der Diskussion waren:
- Es gibt einen großen Informationsbedarf, um verlässlich einschätzen zu können, wie sich die Umsätze entwickeln, wenn man derartige Mehrwegangebote einführt. Fakten sind wichtig, damit Betriebe realistisch planen können.
- Pilotprojekte in Kooperation mit den verschiedenen Akteur*innen sind notwendig, um verschiedene Varianten zu testen und etwaige Vorbehalte zu entkräften.
- Der Gesetzgeber ist gefordert, durch Standarisierung und Regulation die Vielfalt von Gefäßen und Verpackungen zu begrenzen, um die Systeme funktionsfähig zu machen.
- Supermärkte werden vor allem im ländlichen Raum eine Schlüsselstellung beim Aufbau entsprechender Strukturen spielen und müssen daher frühzeitig einbezogen werden.


Fotos: Andreas Endermann