Den nachfolgenden Beitrag habe ich ursprünglich am 29. August 2021 auf Facebook veröffentlicht:
Seit 1979 habe ich Naturschutzarbeit gemacht – ausgehend von meiner Heimat am Niederrhein auch auf Landes- und Bundesebene. Heute war für mich ein tiefer, bewegender Einschnitt und Abschied: Ich habe mich vor einiger Zeit dazu entschieden in Zukunft Politik zu machen und mich um ein Landtagsmandat bei der NRW-Landtagswahl 2022 zu bewerben. Und da Politik eine parteiische Sache ist, verträgt sie sich nicht mit der überparteilichen Arbeit des NABU. Deshalb habe ich Schritt für Schritt meine NABU-Ämter abgegeben (u. a. den Vorsitz der NABU-Naturschutzstation Niederrhein und damit auch den NABU Landesrat). Der NABU NRW hat mich heute verabschiedet und mir die Goldene Ehrennadel verliehen. Dann durfte ich noch ein letztes Mal die Leitung der Landesvertreterversammlung übernehmen.
42 Jahre Naturschutzarbeit lassen sich kaum in wenigen Fotos zusammenfassen. Eine kleine Foto-Auswahl gibt typische Situationen, Arbeiten, Projekte, Erfolge und Misserfolge wieder – die textlichen Erläuterungen geben jeweils ein paar Informationen zu den Fotos.

Unsere Landesvorsitzende Dr. Heide Naderer hat mir die Goldene Ehrennadel des NABU für meine jahrzehntelange Naturschutzarbeit verliehen. Ihr Vorgänger Josef Tumbrinck hatte eine Video-Botschaft übermittelt. Euch allen vielen Dank!

Landesvertreterversammlung 2021 des NABU NRW in der Stadthalle Hagen.

Angesteckt von meinem Vater begann mein Naturinteresse mit der Beobachtung von Vögeln. Die am Niederrhein überwinternden arktischen Wildgänsen und Wiesenvögel wie die Uferschnepfen kamen direkt am Ortsrand meines Heimatdorfes Kranenburg vor und faszinierten mich.

Wiesenvögel wie die vom Aussterben bedrohte Uferschnepfe habe ich als Biologie untersucht und als Naturschützer versucht zu schützen.

Die Bundesstraße 9 sollte quer durch die Niederungslandschaft der Düffel gebaut werden. Jahrzehntelange Arbeit vieler Naturschützer von 1979 bis 2016 hat dies verhindert – heute ist das Gebiet ein international bedeutendes Naturschutzgebiet.

1989 besuchte der damalige Umweltminister Klaus Matthiesen, um das landeseigene Gebiet Reeserward zu besichtigen. Der NABU hatte vorgeschlagen es als Naturschutzgebiet zu sichern.

Naturkundliche Öffentlichkeitsarbeit war mir immer wichtig. Nur wenn wir die Menschen mitnehmen, wird Naturschutz in einem dicht besiedelten Land wie NRW erfolgreich sein.

1995 besuchte die damalige Umweltministerin Bärbel Höhn die NABU-Naturschutzstation Niederrhein und nahm an einer Exkursion zu den arktischen Wildgänsen teil. Es war mir immer ein Anliegen durch Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit die breite Bevölkerung für Naturschutz zu begeistern.

Fliegende arktische Blässgänse – viele Menschen sind von diesem alljährlichen Naturschauspiel fasziniert.

1998 radikalisierten sich einige Landwirte in der Düffel gegen den NABU. Trauriger Höhepunkt waren tätliche Übergriffe auf Mitarbeiter des NABU, die im Auftrag des Kreises Kleve die Brutvögel im Naturschutzgebiet erfassen sollten.

1999 gab es einen landesweiten Konflikt um die Meldung europäischer Schutzgebiete (FFH, Vogelschutz). Der Rheinische Landwirtschaftsverband nutze dies, um gegen die grüne Umweltministerin in Düsseldorf und den NABU vor Ort Stimmung zu machen. Mit den „NABU raus“ Schildern und persönlichen Angriffen überschritten dabei einige Landwirtschaftsvertreter die Grenzen des Anstandes.

Im Mai 2003 wurde in Anwesenheit von Umweltministerin Bärbel Höhn das naturkundliche Besucherzentrum „de Gelderse Poort“ eröffnet. Leider wurde es nach 10 Jahren von der gemeinde Kranenburg beendet.

Von 2006 bis 2008 lief auf Antrag des NABU NRW ein Vertragsverletzungsverfahren der EU gegen Deutschland/NRW, da die Landesregierung das EU-Vogelschutzgebiet Unterer Niederrhein illegal verkleinern wollte und sie sich nicht ausreichend um den Schutz gekümmert hatte. 5.600 Hektar muss neu ausgewiesen werden. Außerdem verpflichtete sich das Land NRW dazu, ein Maßnahmenkonzept zum Erreichen eines guten Erhaltungszustandes zu erarbeiten und innerhalb von zehn Jahren umzusetzen. Erarbeitet wurde es – aber die Umsetzung lässt bis heute auf sich warten. Eine neue EU-Beschwerde läuft deshalb.

2009 klagte der NABU NRW gegen die rund 100 Hektar große Kiesabgrabung Reeserwelle. Das war die erste Verbandsklage die ich betreuen durfte – und auch gewann. Der Konflikt ist damit aber leider nicht zu Ende, denn die beteiligten Kiesfirmen stellen immer wieder neue Anträge, um doch noch die Genehmigung für diese Abgrabung im EU-Vogelschutzgebiet zu erhalten.

Herbststimmung in der Düffel – der Niederungslandschaft zwischen Kranenburg und dem Rhein. Diese bäuerliche naturnahe Kulturlandschaft droht durch die weitere landwirtschaftliche Intensivierung zerstört zu werden. Die Zahl landwirtschaftlicher Betriebe nimmt genauso ab wie die Zahl bedrohter Tier- und Pflanzenarten.

Im Jahr 2011 klagte der NABU NRW gegen die schon in Bau befindliche Erweiterung eines Mega-Kuhstalls. Das Projekt steht stellvertretend für die schleichende Umwandlung der ursprünglich grünlandgebundenen Milchviehhaltung zur ganzjährigen Stallhaltung. Da die Genehmigung ohne die vorgeschriebene Beteiligung der Umweltverbände erfolgte und zahlreiche Umweltvorschriften missachtet wurden, war diese Verbandsklage erfolgreich und der Tierbestand musste reduziert werden.

2012 startete das LIFE-Projekt „Grünland für Wiesenvögel“ mit dem versucht wird, die vom Aussterben bedrohten Wiesenvögel in der Düffel zu retten. Dabei geht es um Extensivierung des Grünlandes, damit in blütenreichen Wiesen genügend Insekten sind, von denen sich die Jungvögel ernähren.

Mit dem Einsatz von Glyphosat wird Grünland erst totgespritzt, um danach Hochleistungssorten nachzusäen. Auf solchen Flächen blüht dann nichts mehr. Es ist ein Unding, dass sowas in Naturschutzgebieten möglich ist.

Einige Landwirte protestierten auch hier gegen das Naturschutzprojekt. Die Vögel haben ihre eigenen Vorstellungen.

Im Jahr 2016 besuchten wir die Wahlkreisabgeordnete und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, um mit ihr über verschiedene Naturschutzthemen zu sprechen.

Im April 2017 veranstaltete der NABU NRW zur Landtagswahl eine Wahlwanderung, die in Kranenburg startete. Auch dabei ging es um den Naturschutz in der Düffel. Mit dem Vorsitzender der Kreisbauernschaft Kleve Josef Peters diskutierte ich über das Verhältnis von Naturschutz und Landwirtschaft.

Extensivierung wirkt: links eine konventionell und intensiv bewirtschaftete Grünlandfläche – rechts eine extensiv bewirtschaftete, auf der das Wiesenschaumkraut blüht.

2018 war die fertige Nebenrinne im Naturschutzgebiet Emmericher Ward erstmals zu beobachten. Im Rahmen eines LIFE-Projektes konnten hier naturnahe Flusslebensräume geschaffen werden.

Das Kranenburger Bruch im Winter 2020/21. Hier begann 1979 mein naturkundliches Engagement. Die neue Pappel-Allee führt in die Ferne – und man wüsste gerne, wo der Weg hinführt. Bei der Straße weiß ich es – wo mein neuer Lebensabschnitt hinführt? Ich bin gespannt.