Am 1. April 2026 habe ich mit meiner Landtagskollegin Lena Zingsheim-Zobel und den Sprecher*innen des Kreisverbandes von Bündnis 90 / Die Grünen – Anna Potrafke und Jürgen Mülders – den Niersverband und dessen Kläranlage in Mönchengladbach besucht. Ein zentrales Thema waren die Herausforderungen der zukünftig vorgeschriebenen Phosphorrückgewinnung. Der Niersverband ist einer der elf großen sondergesetzlichen Wasserverbände in NRW, die in sich in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich um die Abwasserreinigung und die Gewässerentwicklung kümmern. Die Kläranlage Mönchengladbach-Neuwerk gehört zu den größten in NRW. Sie wurde schon in den 1930er Jahren gebaut und seitdem ständig modernisiert und weiterentwickelt.
Phosphor ist ein endlicher und für unsere Landwirtschaft unverzichtbarer Nährstoff. Momentan wird der anfallende Klärschlamm inklusive des wertvollen Phosphors jedoch meist einfach verbrannt. Eine enorme Ressourcenverschwendung, denn die Potentiale der Rückgewinnung werden nicht genutzt. Die Anlage in Mönchengladbach zeigt in der MAP-Anlage mit einer Struvit-Fällung (Airprex-Verfahren) im kleinen Maßstab, wie sich Phosphor direkt aus dem Abwasser zurückgewinnen lässt. Diese Anlage wurde allerdings ursprünglich zur Prozessstabilisierung gebaut, eine Phosphatrückgewinnung ist damit in der Regel nicht wirtschaftlich zu betreiben. Um diese Rückgewinnung aber in Gänze und für ganz Nordrhein-Westfalen umzusetzen, brauchen wir in Zukunft großtechnische Lösungen, die den Phosphor nach der thermischen Behandlung aus der Asche filtern. Ein starkes Vorbild ist hier das landesweite AMPHORE-Projekt, bei dem Verbände wie die Emschergenossenschaft zusammen mit dem Niersverband wegweisende Verfahren entwickeln. Unser gemeinsames politisches Ziel muss es sein, echten Ressourcenschutz zu betreiben, damit dieser recycelte Phosphor künftig wieder rechtssicher als Dünger auf unseren heimischen Feldern landen kann.
Auch stehen neue Herausforderungen an: Neue Belastungen wie zum Beispiel Mikroplastik, Medikamentenrückstände oder die Ewigkeitschemikalie PFAS müssen zukünftig herausgefiltert und geklärt werden. Rohstoffe wie Phosphat müssen ab 2029 aus dem Klärschlamm zurückgewonnen und in den Kreislauf (z. B. als landwirtschaftlicher Dünger) zurückgeführt werden. Da bis dahin absehbar keine ausreichenden Rückgewinnungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, wird derzeit über die Zwischenlagerung der Klärschlammasche diskutiert. Neue gesetzliche Bestimmungen wie die europäische Abwasserrichtlinie KARL und die Klärschlamm-Verordnung müssen umgesetzt werden. In der Branche stehen daher in den nächsten Jahren Investitionen im dreistelligen Milliardenbereich an. All das war Grund dem Niersverband einen Besuch abzustatten und mit den Praktikern ins Gespräch zu kommen.
Ein ganz besonderer Dank geht an Sabine Brinkmann als Vorständin des Niersverbandes und ihrem Team für den informativen Austausch und die Betriebsbesichtigung.
Quellen/Links
https://www.umweltbundesamt.de/themen/phosphorrueckgewinnung-aus-klaerschlamm-auf